Leitidee, Leitsätze, Aufgabenfelder

  • Im Zentrum unseres pädagogischen Handelns stehen Unterrichten und Erziehen in einem zeitlich begrenzten Rahmen und mit klaren Absprachen. Parallel hierzu verlaufen ärztliche und therapeutische Maßnahmen in der Verantwortung anderer Professionen.
  • Wir streben eine Balance zwischen den individuellen Bedürfnissen der  Schüler* und äußeren Bedingungen an.
  • Wir wollen Mut machen, Selbstverantwortung stärken sowie Perspektiven erhalten und / oder entwickeln.
  • Wir bringen „Alltag“ in das Leben der Schüler*
  • Wir versuchen, jeden Schüler* in (s)eine Regelschule zu reintegrieren.

Die These von Hartmut von Hentig, dass Lebensprobleme oft vor Lernproblemen ständen, trifft auch und gerade für Schüler* der Rurkreisschule zu. Bei der Suche nach Lösungshilfen zur Bewältigung der durch H. von Hentig markierten Problematik fanden wir Hinweise in reformpädagogischen Konzepten, die sich auf unsere Situation übertragen ließen. Vorrangig kamen uns konstitutive Elemente des Jenaplanes zustatten, die der Pädagoge Peter Petersen „unter die Idee der Erziehung“ gestellt hatte und die – entsprechend modifiziert – bis heute ihre Gültigkeit haben. Als kontinuierlich anzupassende Basis gilt für uns die „Lebensgemeinschaftsschule“, in der Gemeinschaft sich nicht auf ein soziologisches Verständnis eingrenzt, sondern als anthropologischer Grundbezug angezielt und entfaltet sein will. „Lebensgemeinschaftsschule“ konkretisiert sich innerhalb des Beziehungsgefüges zwischen Schüler- und Lehrerschaft als Pflege einer Leistungskultur anstelle eines Leistungskultus, in der jedes Kind / jeder Jugendliche allein und mit anderen sowohl gestellte als auch selbst gewählte Aufgaben bewältigt, sich dabei in seinem Können bestätigt und die Kompetenz von Mitschülern* anerkennt.
Für eine Leistungskultur günstige Bedingungen sind – in Anlehnung an den Jenaplan – beispielsweise:

  • Gruppen statt Klassen,
  • Vorordnungen statt Verordnungen,
  • Individualisierung und Differenzierung statt Pensum für alle,
  • Kern und Kurs statt ‚Fetzenstundenplan‘,
  • fächerübergreifende Unterrichtseinheiten statt unverbundene ‚Fachhäppchen‘,
  • freier Bildungserwerb in offenen Unterrichtssituationen statt ausschließliches Lernen nach Anleitung in gleicher Front.

Längerfristig kranke Schüler* befinden sich in einer ihnen fremden und erschwerten Lebenssituation: Ihre Gesundheit ist beeinträchtigt, die Trennung von zu Hause, von Freunden und von der Heimatschule erzeugt Ängste. Verstärkt werden solche Gefühle durch ein verändertes Umfeld, in dem die Kinder und Jugendlichen Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonal begegnen.

In dieser veränderten, oft als bedrohlich empfundenen Lage soll den Kindern und Jugendlichen in der Rurkreisschule Bekanntes und Vertrautes vermittelt werden, indem sie eine Atmosphäre schulischen Alltags erleben. Das bedeutet für Lehrkräfte und Schüler*  den Anspruch von Krankheitsbewältigung und Bildungsauftrag in Einklang zu bringen. Diesen Anspruch hat die Schule in Lerngruppen einzulösen, die durch hohe Heterogenität gekennzeichnet sind.

Hierbei sind folgende schulische Aufgabenfelder zu nennen:

  • Persönliche Stabilisierung, Aufbau von Selbstvertrauen und Motivation durch freie Arbeitsformen in einem angstfreien Lernklima.
  • Schulische Kontinuität und Normalität in einer schwierigen und belastenden Situation.
  • Anschluss halten an den Leistungsstand der Heimatschule – soweit wie möglich.
  • Pädagogische Diagnostik und Beratung bei besonderem Förderbedarf und bei Änderungen der Schullaufbahn.
  • In Ausnahmefällen (abhängig von der jeweiligen personellen Besetzungssituation) und in  enger Kooperation mit der zuständigen Regelschule: Vermittlung und Hilfe beim Vorbereitungsprozedere zur Erlangung eines 9er- oder 10er- Hauptschulabschlusses mit möglicher abschließender Externenprüfung.